Coaching von Führungskräften oder „Wie steht es mit Ihrer Demut als Führungskraft?“

oder…wie die Demut beim Aufstehen hilft!

Heute möchte ich Sie einladen mit mir für diese Zeilen einmal in Klausur zu gehen. In Klausur gehen wörtlich gemeint. Ziehen sich für einen Moment mit sich selbst zurück und nutzen Sie die Zeit für eine innere Einkehr zu dem Begriff „Demut“. Ich selbst hatte die Gelegenheit bei einem Seminar zum Thema „Demut als Führungskraft“ mich dieser schwierigen eigenen Auseinadersetzung zu nähern.

Demut im Coaching…

Auch im Coaching nehme ich mir mit meinen Kunden Zeit für ein persönliches Innehalten, gebe Raum zum Nachdenken und Sinnieren. Ich fokussiere eben nicht ausschließlich Coaching als Effizienz- und Effektivitätssteigerungsintervention.

Oder anders ausgedrückt, ich bin überzeugt, dass sich Führungskräfte viel zu wenig Zeit nehmen, in der Tiefe über Ihr „Wofür“ und „Wozu“ nachzudenken. „Wozu“ und „Wofür“ setze ich die mir geschenkten Fähigkeiten ein? Welche generativen Beitrag leiste ich für das „Große Ganze“? Das solche und ähnliche fragen anscheinend in den Hintergrund treten zeigt auch eine ganz neue Studie von Uli Vogel und Boris Grundl zum „Verantwortungsindex“ in Deutschland. Der auch untersuchte Aspekt der Lebensverantwortung zeigt dies auf. Die folgende Abbildung mit dem erläuternden Zitat skizziert den Zusammenhang eindrücklich.

Lebensverantwortung als Fähigkeit

Demut als Führungskraft

„Nur circa zwei Drittel der Befragten erkennen den Sinn ihrer eigenen Verantwortung durchschnittlich bis gut (linkes Chart). Nur 17 Prozent erreichen hier sehr hohe Werte. Somit wird deutlich, dass das Thema Lebenssinn, Sinn der eigenen Aktivitäten oder Sinn der eigenen Person relativ nur wenig kompetent betrachtet wird. Wieder einmal funktionieren wir mehr in unseren Rollen, als dass wir uns auf die Metaebene begeben, um übergeordnete Zielsetzungen zu durchdenken. Gerade für Führungskräfte ist es jedoch wichtig, den Sinn der eigenen Verantwortung zu erkennen. Erst dadurch haben sie eine eigene Vision und können darauf aufbauend Führungsausstrahlung entwickeln.“

Lebensverantwortung als Wollen

Demut als Führungskraft„Die Aufmerksamkeit auf dem Sinn der eigenen Verantwortung ist wiederum breit verteilt was analog zur Verantwortungsübernahme ein Stück weit der aktuellen Lebenssituation geschuldet ist. Natürlich wäre es besser, wenn sich in der Gesellschaft sehr viel mehr Menschen mit dem Thema „Sinn der eigenen Verantwortung“ aufmerksam auseinandersetzen würden. Dann würde auf Dauer hier auch mehr Klarheit entstehen.“

Weitergehende Informationen zum Verantwortungsindex finden Sie unter www.verantwortungsindex.de

 

Wie schon erwähnt konnte ich selbst als Führungskraft an einer Fortbildung zum Thema „Demut als Führungskraft“ bei Udo Manshausen teilnehmen. Er schreibt bzw. zitiert folgendes zur Demut:

Mensch sein

Der lateinische Begriff für Demut lautet ‚humilitas‘. Darin enthalten sind die Wörter ‚humus‘ ‚Erde‘ und ‚humanus‘ ‚menschlich, menschenwürdig, menschenfreundlich‘. (Walde-Hoffmann, Lateinischen etymologisches Wörterbuch)

Die Demut als Tugend, die Humilitas, möchte in uns wach halten, dass wir Erdenbewohner sind und wieder in die Erde zurückkehren, aus der wie hervorgegangen sind. Sie möchte uns dazu anhalten die Wirklichkeit so zu sehen, wie sie in Wahrheit ist: brüchig, endlich, unsicher, hoffnungsvoll, erfrischend.

Und zentral verbunden mit dem Begriff Demut ist das

Dienen

Der Ausdruck Demut kommt von althochdeutsch diomuoti (‚dienstwillig‘, also eigentlich ‚Gesinnung eines Dienenden‘) und wurde von Martin Luther zur Übersetzung der biblischen Ausdrücke tapeinophrosyne (griechisch) bzw. der lateinischen Übersetzung humilitas benutzt. Im christlichen Kontext bezeichnet es die Haltung des Geschöpfes zum Schöpfer, analog dem Verhältnis vom Knecht zum Herrn, allgemeiner die „Tugend, die aus dem Bewusstsein des unendlichen Zurückbleibens hinter der erstrebten Vollkommenheit (Gottheit, sittliches Ideal, erhabenes Vorbild) hervorgehen kann“: (Schischkoff, Philosophisches Wörterbuch)

Als diendend verstehen sich aus meiner Erfahrung eine Vielzahl von Führungskräften. Die Demut als Führungskraft scheint eher schwieriger zugänglich zu sein, was vielleicht auch mit den suggerierenten Erwartungen an die Rolle einer Führungskraft verbunden ist.

Also geht es bei der Demut um eine Haltungsfrage:

Sehen sie Ihre Fähigkeiten, Ihr Wissen und Ihre Charakterstärken wirklich als ein Geschenk, als ein erhaltenes Darlehn an, dass es gilt gut für das Ganze einzusetzen? Sie sind von sich aus nur Mensch und gehen so wie sie gekommen sind „nackt“ und mit dem Bewusstsein von ihnen wird nichts bleiben? Sie sind nur etwas durch die anderen, durch das Feedback zu Ihrer Leistung? Demut als Führungskraft…

Sich mit diesen Fragen zu konfrontieren geht nach meiner Erfahrung nur in innerer Einkehr, mit bewusst initiierter und erlebter Bedeutungslosigkeit. Die echte und tiefe Begegnung mit der Demut geschieht in absichtsloser Durchdenkungszeit, in innere Konfrontation mit der eigenen Einsamkeit und Sterblichkeit. In der Meditation, in der Klausur, vielleicht auch im Coaching von Führungskräften.

Was ist der Mensch nur mit sich selbst, ohne seine Familie, seine Arbeit, seine Freunde, seine Hobbys und die vielfältigen Ablenkungsmöglichkeiten? Was bin ich als Führungskraft ohne Betrieb, ohne Mitarbeitenden, ohne Produkt?

Wer oder was bin ich nur durch mich selbst…

Demut als FührungskraftWas passiert, wenn ich nur noch Mensch bin? Tauchen dann nicht unweigerlich Fragen auf wie: Wer bin ich? Welche Bedeutung habe ich? Hinterlasse ich Spuren oder verschwinde ich am Ende in der Bedeutungslosigkeit? Und wer oder was bin ich einfach nur durch mich selbst?

Wenn Sie sich jetzt auf diese Fragen einlassen, dann wird es wahrscheinlich auf einmal ganz still in Ihnen und die Nachdenklichkeit nimmt sich ihren Raum.

Auch im Coaching von Führungskräften erlebe ich, dass sich bei diesen Fragen auf einmal eine innere Ruhe, ein Insichgekehrtsein einstellt. Wodurch wird das ausgelöst? Liegt es vielleicht daran, dass Führungskräfte doch oft davon überzeugt sind, ohne sie ist gar nichts möglich. Und das gepaart mit der plötzlich und unvermittelt auftauchenden Angst, dass wir letztendlich in aller Konsequenz doch ganz unbedeutend sind. Bedeutungslosigkeit bei so viel Wunsch und Lust etwas zu gestalten, etwas auf den Weg zu bringen, etwas zu bewirken. Wie kann das zusammen gehen? Demut als Führungskraft

Der wahrhaft Demütige…

Der „wahrhaft“ Demütige lebt aus einer Haltung der Bescheidenheit und der Ergebenheit. Er lässt sich leiten von der inneren Verpflichtung gegenüber anderen. Dies geht einher mit der Achtsamkeit sich selbst gegenüber: je achtsamer ich mit mir bin, desto achtsamer kann ich gegenüber anderen sein.

Oft sind wir Menschen jedoch von dem Streben, nach Anerkennung und nach immer mehr Erfolg getrieben. Beruflich und gesellschaftlich geht es oft nur um die Frage: Was ist meine Leistung im Vergleich zu der Leistung des Anderen wert? Mit dieser inneren Getriebenheit und mit dieser Fokussierung auf Konkurrenz und Wettbewerb verabschiede ich mich schon von der Demut, vom „Mensch sein“.

Und wenn ich dann im Coaching von Führungskräften noch eine weitere Frage anschließe:

„In welchen Bereichen stellen sie sich denn in den Vordergrund, überhöhen sie sich gegenüber anderen und weißt sie dies nicht oft auf einen eigenen inneren Mangel, auf ein eigenes Defizit hin?“

Die Stille und die Nachdenklichkeit…

Da ist sie wieder da, die Stille und Nachdenklichkeit. So manch einer erinnert sich vielleicht an seine letzten Gehaltsverhandlungen oder an Vergleiche mit den Gehaltsstrukturen in ähnlichen Unternehmen. Oder an Situationen, in denen ich mir einen Vorteil verschafft habe, auf Kosten von anderen. Kennen wir sich nicht alle diese Momente, die vielleicht bei dem einen oder anderen im Nachhinein zum Nachdenken führen und dann das schlechte Gewissen um die Ecke schaut. Mit Recht würde die Demut sagen.

Die Demut ist die Grundlage aller Tugenden ist. So wird noch einmal unmissverständlich deutlich, wie notwendig die „Klausur“ zu diesem zentralen Wert ist. Demut als Führungskraft scheint somit doch ein zentraleres Thema zu sein und sinnvoll verstärkt in den Fokus zu rücken.Demut als Führungskraft

Neben der Demut haben auch alle anderen Tugenden die Grundhaltung „sich selbst zurückzunehmen.“ Und damit „ist eine Selbsteinschätzung nicht möglich“.

 

Und als ob Udo Manshausen es geahnt hätte, kommt auch schon der Widerspruch der Pädagogen aus der Runde der Teilnehmende des Seminars „Demut als FührungskraftW, haben sie doch ihre Modelle von Selbst- und Fremdeinschätzung im Kopf. Doch Udo Manshausen reagiert ruhig und bewusst provozierend:

„Sie können gar nicht so sehr von sich außerhalb sein,

dass sie sich selbst einschätzen können. Dies geht nur durch den Anderen, der das „Fremde“ in ihnen sehen und erkennen kann“. Und er setzt mit einem verschmitzten Lächeln noch einen drauf: „Diejenige Führungskraft, die sich nicht beraten, begleiten oder coachen lässt, ist nicht demütig.“ Damit geht der Aspekt einher, wem vertraut sich die Führungskraft in ihrer Verantwortung an, vom wem lässt sie sich begleiten und etwas sagen, wem schließt sich die Führungskraft für die eigenen Weiterentwicklung an?

Und wieder ist die Stille hörbar und die Nachdenklichkeit macht sich durch die viele Fragezeichen breit. Unmissverständlich wird deutlich, dass die Gleichwertigkeit aller mit einer demütigen Haltung einhergeht.

Und der Hochmut…

Und was ist eine Klausur über die Demut ohne den Hochmut als Gegenpol. Der Hochmut kommt in Haltungen wie

  • ich brauche die Anderen nicht;
  • mehr sein zu wollen, als in mir angelegt ist;
  • ich muss mich größer machen, als ich tatsächlich bin;
  • ich weiß wie es ist;
  • ich bin nur durch das, was ich erreiche

und Ähnlichem zum Ausdruck.

In diesem Zusammenhang wird in einem Zitat aus den Unterlagen des Referenten die ganze Lasterhaftigkeit des Hochmutes deutlich (Die Lesenden sind eingeladen, es auf sich wirken zu lassen, und vielleicht ein paar Minuten darüber zu meditieren):

Zitat zum Hochmut…

„Der Hochmut steht der Klugheit diametral entgegen, dass die Klugheit die beseelte Grundeinstellung voraussetzt, sich etwas sagen lassen zu können. Mit dem Hochmut verbindet sich vor allem die Eitelkeit: Wie weit wir vom Phänomen der Eitelkeit entfernt sind, lässt sich an folgenden Kriterien erkennen, die der Wüstentheologe Johannes Cassian (365 – 435 n. Chr.) einem Hochmütigen zuschreibt:

„Vorherrschend ist in seinem Reden das Schreien, in seinem Schweigen das Abstoßende, in seiner Freude das stolze und ausgelassene Lachen, im Ernste eine unvernünftige Trauer, in der Antwort Zorn, häufiges Schwätzen und oft plötzlich hervorbrechende gehaltlose Worte. Geduld geht ihm ab, Liebe ist ihm fremd, er ist verwegen im Schmähen, demütig im Ertragen von Schmähungen, schwierig im Gehorchen, außer wenn dabei ihm seine Wünsche und Einsicht zuvorkommen, unversöhnlich beim Anhören einer Ermahnung, schwach, wo es gilt, seinem Willen Abbruch zu tun, ganz unbeugsam, wenn er Andern sich unterordnen soll, und stets bestrebt, seinen Behauptungen aufrecht zu erhalten, ohne seinerseits sich dazu zu verstehen, den Ansichten eines anderen zu weichen. So wird er auch zu Annahme eines heilsamen Rates unfähig und glaubt in Allem lieber seinem, als der Vorgesetzten Urteil.“ (Bibliothek der Kirchenväter Bd. 59, Buch 12, 267 – 268)

Und was ist jetzt die Quintessenz?

Die Demut würde vielleicht dazu sagen: Ja, in der Stille findet die Begegnung mit mir statt und in der Nachdenklichkeit liegt die Voraussetzung dafür, bedächtig, weitsichtig und beteiligend zu handeln – eine gute Grundlage eine demütige Haltung zu entwickeln.

Und wie hilft jetzt die Demut beim Aufstehen?

Vielleicht gelingt es Ihnen ja nach dieser Besinnungszeit sich in den nächsten Tagen einfach nicht so wichtig zu nehmen, sich nicht als Nabel der Welt zu begreifen, die eigenen Gaben, das eigene Leben, als vorübergehendes Geschenk zu verstehen. Sich sehen als jemanden der auf Besuch ist und das nur für winzigen verschwindenden Bruchteil, gemessen an der Weltgeschichte. Und als jemanden von dem wirklich nichts, aber auch gar nichts bleibt. Wie schön ist es, doch einfach nur Mensch zu sein.

Achtsamkeitsübung zur Demut als Führungskraft:

Tägliche Momente der Stille (7 Min.)

Es ist wichtig, am Tage zur Ruhe zu kommen; die Verwirrung der Gedanken bewusst wahrzunehmen; einzuüben, es mit sich selbst auszuhalten; das eigene Ich zurückzunehmen, um die eigene Leere und Bedeutungslosigkeit, das Nichts zu spüren; die Objekte des Begehrens für Augenblicke loszulassen; zu erspüren, was die innere Balance, den inneren Frieden bewirkt.

Möchten Sie sich auch einmal mit der Demut als Führungskraft auseinandersetzen…ich stehen Ihnen gerne als Sparringspartner zur Verfügung. Kontakt hier!