Coachingpraxis Frankfurt- Teil 3

Heute lesen Sie die Fortsetzung des Magazinbeitrags „Coachingpraxis in Hessen“ und „Coachingpraxis Mittelhessen“. Zur Erinnerung für alle die den ersten Teil nicht lesen konnten hier noch einmal das Briefing:

Coachingpraxis Frankfurt – Ausgangslage:

Frau Sollist (Name geändert) arbeitet seit einem Jahr als Controllerin (Stabsstelle) in einem mittelständischen Unternehmen in der Dienstleistungsbranche mit ca. 350 Mitarbeitenden. Sie ist die Frau des Geschäftsführers. Coachingerfahrungen liegen nicht vor. Das Anliegen für den Coachingprozess entsteht aus einer Krise. Frau Sollist fühlt sich in ihrer Rolle als Controllerin nicht ernst genommen und sieht sich mit massiven Ausgrenzungen vor allem durch den Stellvertreter ihres Mannes konfrontiert. Außerdem will sie ihre Rolle als mitarbeitende Ehefrau reflektieren.

Sie ist 38 Jahre alt, verheiratet und hat 2 Kinder im Alter von 12 und 14 Jahren. Sie ist Skandinavierin und vor 12 Jahren nach Deutschland übergesiedelt. Ihren Mann hat sie in Skandinavien kennen gelernt. Er ist Deutscher.

Frau Sollist hat Betriebswirtschaft studiert und eine Zusatzausbildung als Controllerin vor einem Jahr abgeschlossen. Sie bringt viele Jahre Branchenerfahrung in unterschiedlichen Funktionen mit.

Nach einem Vorgespräch vereinbaren einen ersten Coachingtermin und verabreden drei Termine a 2 Stunden.

Coachingpraxis Frankfurt – das Thema „Anerkennung“ in der Fortsetzung

Frau Sollist berichtet zu Beginn der Dritten Sitzung von dem Text über das Thema „Anerkennung“. Ihr ist deutlich geworden, das für ihr Selbstwertgefühl vor allem zwei Aspekte wichtig sind. Ihr Bedürfnis nach Übereinstimmung und ihr Bedürfnis nach Anerkennung.

Nach Gesprächen mit ihrem Mann ist ihr Bedürfnis nach Übereinstimmung in Bezug auf ihre gemeinsame Arbeit und den gemeinsamen familiären Lebensentwurf befriedigt. Sie erleben sich einander zugehörig und sehen eine Übereinstimmung ihres Wertesystems.

Jedoch sieht sie ihr Bedürfnis nach Anerkennung als Person mit ihren unterschiedlichen Identitäten, als berufstätiger Mensch sowie in der Wertschätzung ihrer beruflichen Leistungen, nur bedingt erfüllt.

Sie habe viele Jahre Aufgaben übernommen, die nicht ihrer Qualifizierung entsprechen. Das habe ganz schön auf ihren Selbstwert gedrückt. Dabei fühle sie sich aufgrund ihrer Herkunft, Erziehung und Ausbildung immer für alles verantwortlich. Die Kommentare von mir als Coach sind krusiv geschrieben und dienen als Einblick  in meine Reflektionen im Coachingprozess.

Coachingpraxis Frankfurt – meine Reflektion als Coach

An dieser Stelle wird deutlich, dass sich das Thema der Anerkennung wie ein roter Faden durch den Coachingprozess zieht. Jetzt stellt sich die Frage wie ich mit der Hypothese aus der ersten Sitzung umgehe, dass ebenfalls in der Ehe dieser Aspekt eine Rolle spielt.

Das Thema der Anerkennung zieht sich wie ein roter Faden durch den Coachingprozess

Nach meiner Einschätzung ist es für Frau Sollist wichtig dieser Frage auf den Grund zu gehen. Ermöglichungsdidaktisch ist darauf zu achten, dass Frau Sollist die Chairfrau ihres Lern- und Entwicklungsprozesses bleibt.

Ich entscheide mich ihr wiederum eine visuelle Arbeit vorzuschlagen. Frau Sollist hat in der ersten Sitzung mit dieser Form der Intervention eine positive Erfahrung gemacht. Damit sie genug Sicherheit in der Ausführung hat, erkläre ich ihr präzise wie die Arbeit von statten geht und wie sie ausgewertet wird. Ich bitte sie um die Erlaubnis nach einer ersten Einschätzung von ihr, weitere Fragen stellen zu dürfen, um den Bezug zum Thema und die evtl. enthaltenden neuen Aspekte kenntlich zu machen und für das Coaching zu nutzen.

Natürlich kann ich mir durch diese Intervention nicht sicher sein, ob hier der von mir hypothetisch angenommen Aspekt sichtbar wird. Doch aus der Arbeit mit visuellen Mitteln weiß ich, dass die Chancen dafür gut stehen.

Coachingpraxis Frankfurt – die Konzentrischen Kreise der Anerkennung:

Ich biete ihr an „Konzentrische Kreise der Anerkennung“ zu zeichnen. Die Nähe zum Zentrum drückt die Intensität der gefühlten und erfahrenen Anerkennung (verschiedener Menschen) aus Sicht von Frau Sollist für den jeweiligen Bereich aus. D.h. die Frage lautet: „Wer gibt Ihnen wie viel Anerkennung für den beruflichen Bereich und für den familiären Bereich?“

Ihre Zeichnung:Coachingpraxis Frankfurt

Frau Sollist erklärt mir ihre Skizze. Sie empfinde Freude, dass zwei in ihrem Leben bedeutende Personen (ihre Mutter und ihre beste Freundin) im inneren Kreis sind. Auch freut sie sich über die Anerkennung ihrer Kinder und ihrer Schwester. Immer wieder erfährt sie durch kleine und große Gesten, dass ihre Leistung in den letzten Jahren wahrgenommen und gewürdigt wird. Besonders stolz macht sie auch, dass die Teamleitungen ihre Arbeit schätzen und den Nutzen für sich und ihre Mitarbeitenden erkennen. Mir dankt sie für meine wertschätzende Haltung und das behutsame Vorgehen im Coachingprozess.

Sie ist erschüttert, dass ihr Mann und ihr Vater im beruflichen und im familiären Bereich soweit außen stehen. In Bezug auf ihren Vater sei ihr dies immer deutlich gewesen. Damit habe sie sich schon abgefunden. Doch dass ihr Mann sich im familiären Bereich soweit außen befindet, hat sie nicht gedacht.

Darauf angesprochen, was sie veranlasst hat ihren Mann an dieser Stelle zu platzieren sagt sie: „Dabei bin ich von meinen Wünschen ausgegangen und habe mich an die letzte Sitzung erinnert. Da habe ich schon gespürt wie wütend ich auf meinen Mann bin, dass dies sich ebenfalls auf den familiären Bereich so deutlich bezieht, konnte ich mir noch nicht zugestehen.“

Sie erzählte weiter davon, wie wichtig ihr dieser Aspekt ist. Schließlich habe sie für ihren Mann viel aufgegeben. Doch sie sehe auch, wie schwierig es ist, mit ihrem Mann über dieses Thema zu sprechen. Er habe Schwierigkeiten ihre Emotionen zu verstehen und versuche die Dinge strukturell abzuarbeiten und z.B. dafür zu sorgen, dass sie regelmäßig nach Skandinavien fliegen kann. Schnell sind die Gespräche zwischen ihnen dann beendet.

Coachingpraxis Frankfurt – ein Gespräch mit Ihrem Mann…

Im weiteren Verlauf entwickelt Frau Sollist eine Vorgehensweise für ein Gespräch mit ihrem Mann. Sie ist bereit dies im Coachingrahmen einzuüben. Wir simulieren die Situation, doch ihr Pessimismus verändert sich dadurch nicht. Sie wird sich zwar ihrer Formulierungen sicherer, doch misst sie der Auseinandersetzung wenig Erfolg auf Veränderung bei.

Frau Sollitst: „Es hilft mir wenig, wenn ich mir klarer werde und mein Mann nicht bereit ist Wege mitzugehen.“

BK: „Wodurch sind Sie sich so sicher?“

Es wird deutlich, dass einige Versuche mit ihrem Mann diesen Bereich zu lösen gescheitert sind.

BK:„Was haben Sie noch nicht ausprobiert?“

Frau Sollist: „Wir haben noch keine Paargespräch geführt, wollen Sie das nicht mit uns machen?“

Ich mache Frau Sollist klar, dass ich dafür nicht ausgebildet bin und sie besser bei einem Experten dafür aufgehoben ist. Sie ist damit einverstanden und nimmt sich, vor mit ihrem Mann eine geeignete Person zu finden. Die Chancen, dass ihr Mann bereit zu diesem Schritt ist, schätzt sie gut ein.

An dieser Stelle ist der aus meiner Sicht wichtigste Aspekt im Coaching geklärt. Frau Sollist fühlt sich in der Lage mit ihrem Mann gemeinsam ein wichtiges Thema ihrer Beziehung anzugehen. Es ist anzunehmen, dass sich dadurch ebenfalls etwas bei der Zusammenarbeit mit ihrem Mann, als auch mit seinem Stellvertreter verändert. Erste Schritte hat Frau Sollist in diesem Zusammenhang schon unternommen. Um ganz sicher mit meiner Annahme zu gehen, spreche ich Frau Sollist auf die Aktionsschritte aus unserer zweiten Sitzung an.

Coachingpraxis Frankfurt – das Ende des Prozesses

Sie schildert, dass sie bis auf das Gespräch mit dem Stellvertreter ihres Mannes alle Schritte angegangen ist. Sie sei noch nicht fertig, doch ist sie guten Mutes.

Bevor ich sie auf diesen Punkt ansprechen kann, erklärt sie mir, dass das Thema mit ihrem Mann und seinem Stellvertreter mit einander verknüpft ist. Sie geht davon aus, wenn es zu einer Entwicklung mit ihrem Mann kommt, hat das eine Auswirkung auf ihre Arbeit mit seinem Stellvertreter.

Sie fühle sich durch den Coachingprozess gestärkt und sieht sich in der Lage deutlicher zu formulieren, wo ihre Grenzen sind und was sie für ihre Arbeit benötige. Außerdem hat sie im Unternehmen doch mehr Rückendeckung als sie vermutet habe. Dies ist ihr durch die Kreise der Anerkennung bewusst geworden

Feedback von Frau Sollist

In einem Follow up drei Monate nach dem Coachingprozess reflektiert Frau Sollist die gemeinsame Zusammenarbeit. Sie beschreibt, dass es für Sie von besonderer Bedeutung war mit ihren Gefühlen in Kontakt zu kommen. Ihre Wut als Energiequelle hat sie in einigen Situationen, sowohl beruflich als auch privat nutzen können, um deutliche Grenzen zu ziehen. Mit ihrem Mann führt sie regelmäßig Gespräche über ihre berufliche und ihre Rolle als Ehefrau. Dabei steht das Thema Anerkennung im Mittelpunkt ihres Interesses. Sie haben gemeinsam entdeckt, dass es ihnen durch emotionale Offenheit gelingt sich einander zu versichern. Frau Sollist fühlt sich durch ihren Mann deutlich anerkannter als vor dem Coachingprozess.

Wünschen Sie auch ein Coaching (Kontaktformular), vielleicht auch mit dem Einsatz von profilingvalues eine Potenzialanalysetool, dann finden Sie weitere Informationen auf focus Potenzial. Für weitere Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung

Ähnliche Beiträge